Thüringer Gesundheitspolitik vor den Landtagswahlen

Zum 27. Mal wurde der Seminartag des Verbandes der Privatkliniken in Thüringen am 06. September in Bad Berka ausgetragen. Im Vorfeld zu den Landtagswahlen Ende Oktober sprachen die jeweiligen Vertreter der Regierungsparteien sowie der FDP über die zukünftige Ausgestaltung der Gesundheitspolitik in Thüringen im Hinblick auf die stationäre Versorgung. Die Vertreter der Kliniken mahnten die Gesundheitspolitiker an, konkretere Wege für die Weiterentwicklung der Thüringer Krankenhaus- und Rehalandschaft zu benennen. Besonders die langwierigen Verfahren zur Anerkennung der ausländischen Berufe wurde stark kritisiert.

Prof. Augurzky hätte auch nicht nach Thüringen kommen müssen. Eine paraelle Verstanstaltung in Berlin, zu der Gesundheitsminster Spahn geladen hatte, sagte er zu Gunsten des Seminartages des VPKT in Bad Berka ab: "Sie haben es so schön in Thüringen, da komme ich gern auch wieder", sprach der Ökonom zu Beginn seines Impulsvortrages.

In seinen ca. 20-minüten Ausführungen analysierte er intensiv die Situation der Kliniken in Thüringen. "In den letzten Jahren ist ein Fallzahlrückgang zu verzeichnen. Ursächlich sind die zunehmende Ambulantisierung der in Krankenhauslandschaft, vereinzelt aber auch die Effekte der gestiegenen MDK-Prüfungen.", sprach der Leiter des Kompetenbereiches "Gesundheit" am RWI Essen an.

In Thüringen wurde in der Zeit nach der Wende viel in die bauliche Infrastruktur investiert, teilweise bis zu 18% des erwirtschafteten Umsatzes. In den 2000er Jahren sank die staatliche Investition auf bis zu 2,1% in 2017. "Damit liegt Thüringen sogar unter dem Bundesdurchschnitt von 3,6%.", so der Ökonom. Wenn nun absehbar die Effekte des Pflexit die Kliniken weiter finanziell belasten, ist die ausreichende Versorgung des mediznisch-technischen Fortschrittes gefährdet. Er nannte eine Investitions-Zielgröße von ca. 7-8%. Dies gelinge nur mit staatlicher Förderung.

 

Zum Ende zeigte er vier Handlungsfelder auf, die es für Thüringen in naher Zukunft in gemeinsamer Verantwortung der Leistungserbringer, Kostenträger und der Politik zu lösen gibt.

 

In der anschließenden Podiumsdikussion konnten die Vertreter der Parteien Inhalte Ihrer Wahlprogramme und der Visionen zur Thüringer Gesundheitspoltik darstellen. 

Thematische waren alle brennenden Themen angesprochen:

- Fachkräftegewinnung und -Ausbildung an Hoch -und Berufsschulen

- Krankenhausplanerische Versorgung

- Verzahnung von ambulant und stationär

- Öffnung der MVZ-Betreibung für kommunale Einrichtungen 

- Digitalisierung und deren Durchdringung in Thüringen sowie Idee zu staatlichen Förderungsmaßnahmen

- Anerkennung ausländischer Berufe

- Aufrechterhaltung der Trägerpluralität für Krankenhaus und Rehabilitationskliniken 

Insbesondere bei der langen Bearbeitungszeiten zur Anerkennung ausländischer Fachkräfte erhoffte sich die Klinikvertreter mehr Unterstützung durch die Politik. Thüringen ist in diesem Bereich bundesweit Schlusslicht. Viele potentielle Bewerber meiden Thüringen. Dies verschärft den Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend und gefährdet die Patientenversorgung.

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